Zeitungsbericht

 

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Erschienen in der "Norddeutschen Rundschau" am 22.12.1995

1000 Hauschild(t)s auf neun Metern Papier

Ein Landwirt schrieb seine Ahnentafel nieder
Im Herbst will man ein großes Familienfest feiern

Wenn sich an Heiligabend alle Hauschild(t)s zum großen Familientreffen unter einem Christbaum versammeln wollen, müßte man schon einen größeren Saal mieten. "Das ist unglaublich, wie der sich verbreitet hat", staunt Klaus-Johannes Hauschildt noch heute über seinen Urahn. Der 68 jährige Landwirt aus Pöschendorf hat in mühevoller Kleinarbeit die Ahnentafel seiner Familie erstellt. Auf einer neun Meter langen Rolle sind rund 1000 Hauschild(t)s festgehalten, von denen noch etwa 350 zusammen Weihnachten feiern könnten. Mit dem Fest des Jahres wird es zwar nichts werden, im nächsten Herbst will man aber alle Hauschildts zu einem ersten großen Familientreffen zusammentrommeln.

"Eigentlich wollte ich das nur für meine Kinder machen", berichtet Ahnenforscher Hauschildt. Aber dann sei es immer mehr geworden. Seit 1985 sammelt der Altenteiler alles, was irgendwie mit seinem Familiennamen zusammenhängt.

Eine Grundlage bekam er von Else Hauschildt aus Hohenaspe. Sie hatte eine erste Ahnenreihe auf einer Tapete verewigt. Dann besorgte sich der Landwirt eine Papierrolle. "Ich wollte nur ein sechs Meter langes Papier haben. Zum Glück wurde die Rolle dann neun Meter lang." Diese neun Meter sind auch recht vollgeschrieben. Gemeinsam mit Ehefrau Annamarie stellt er routiniert Tische und Stühle in Stube und angrenzender Eßecke zusammen. Es reicht gerade, um das neun Meter lange Ahnenpapier auszurollen. Unzählige Tage und Abende hat Klaus-Johannes Hauschildt hier seit 1985 verbracht. Fein säuberlich zeichnete er mit Hilfe eines eckigen Bleistiftspitzers Kästchen auf das Papier, die er nach und nach mit Namen, Geburts- und Sterbedaten, Hochzeitsterminen füllte.

Fündig wurde er vor allem in alten Kirchenbüchern, aber auch bei Besuchen auf Friedhöfen. Bei seiner Suche nach den Vorfahren konnte sich Hauschildt auch über große Unterstützung in der weitverzweigten Familie freuen. Viele Briefe, die er mit der Bitte um Mithilfe verschickt hatte, kamen mit vielen Daten und besten Wünschen in die Pöschendorfer Schulstraße 5 zurück. "Die waren alle begeistert", freut sich der Forscher über die große Resonanz.

Der Urvater vieler der heutigen Hauschild(t)s -Johannes- wurde 1668 in Krogaspe geboren. Er heiratete nach Osterstedt und bescherte seiner Nachwelt zwölf Kinder. Der Urahn wurde 77 Jahre alt. Weiter läßt sich die Familiengeschichte leider nicht zurückverfolgen. Ältere Dokumente hat man wahrscheinlich aus den rauchenden Trümmern der im 30 jährigen Krieg zerstörten Kirchenarchive nicht retten können. Aber auch nach dem 17. Jahrhundert sind nicht alle Unterlagen komplett. "Ich würde mir wünschen, wenn durch diese Veröffentlichung neue Informationen zutage gefördert werden", hofft Hauschildt.

Das ebenfalls noch vorhandene Problem der genauen Schreibweise des weitverbreiteten Namens hat er übrigens auf ganz elegante Weise gelöst. Weil nicht immer genau feststeht, ob Hauschild(t) sich nun mit "d" oder mit "dt" schreibt, steht in der Ahnentafel durchgehend "Hausch...". Die beiden Buchstaben haben auch schon so manchen Standesbeamten durcheinander gebracht. So gibt es das Kuriosum, daß sich von den fünf Brüdern des Großvaters zwei mit "d" und drei mit "dt" schreiben. Annamarie Hauschildt führt dies auf den Umstand zurück, daß man in den Ämtern früher wohl eher nach Gehör niedergeschrieben hat. "Vielleicht," so mutmaßt sie, "hatte es da auch mal einen lütten Köm gegeben."

Der Name Hauschild(t) geht eventuell auf einen holländischen Ursprung zurück. Die "Howeschild" galten einst als "Wächter und Hüter des Hofes". Eine Verbindung zum Begriff "Haudegen" (Landsknechte) ist hier durchaus nicht zufällig. Wie es sich für eine alteingesessene Familie gehört, führt man auch ein Wappen im Schilde.

Der Überlieferung nach zeigt das silberne Schild drei schwarze Sparren, die eine handfeste Dachkonstruktion symbolisieren. Die Helmzier gibt einen silbernen Hahn mit einem schwarzen Eisen im Schnabel wider, der zwischen zwei schwarz- und silberfarbenen Büffelhörnen steht. Ein Kachelbild mit dem Familienwappen hat bei Hauschildt einen Ehrenplatz am Eßtisch. Gemalt hat es -natürlich- ein Hauschild(t), und zwar der Malermeister in der Familie.
Das Gros der Hauschild(t)s, so hat der Landwirt schon herausgefunden, ist in Holstein zuhause. Schwerpunkte finden sich im Raum Osterstedt, Hohenwestedt, Reher, Looft, Drage, Hohenaspe, Winseldorf sowie Schenefeld und natürlich in Pöschendorf. Dort tragen von knapp 200 Einwohnern allein 25 den Namen Hauschild(t). Mit vier Enkelkindern hat der Ahnenforscher selbst dazu einiges beigetragen.

Aber auch anderenorts stößt man immer wieder auf diesen Namen. Im Hamburger Telefonbuch findet er sich rund 300 mal. "Den Flughafendirektor muß ich auch noch anschreiben," fällt dem Datensammler dazu ein. Der Mann heißt natürlich auch Hauschildt. Viele seiner Namensvettern kennt Klaus-Johannes persönlich. Zu anderen, längst verstorbenen, weiß er manches zu erzählen. "Der Werner hatte eine alte Kate bei Neumünster. Und dem Reimer gehörte für kurze Zeit -so um 1798- Mehlbek. Auch manche hochangesehenen Berufe sind dabei; ein Hauschildt ist gar bis nach San Francisco gekommen.

Daß viele Menschen in dieser Region auf wenige Ursprünge zurückzuführen sind, ist im Kreis Steinburg übrigens gar nicht so ungewöhnlich. So hatte sich erst im vergangenen Oktober in Kleve die Großfamilie Boll getroffen. Die alte Bauernsippe in der Wilstermarsch läßt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Urahn ist Johan Bulle, ein Kätner aus Moorhusen.

Das Gegenstück in der Krempermarsch ist die Familie Schacht. Eine Genealogie (Familienforschung), die im Jahre 1900 in einem Glückstädter Verlag erschien, reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ur-Schacht war Johann (1547-1667), der es in bemerkenswerten 120 Lebensjahren auf 24 -möglicherweise sogar 25- Kinder brachte. Entsprechend weitläufig stellen sich die Nachkommen dar.

Zurück zu den Hauschild(t)s. Sie wollen im Herbst groß feiern. Fünf jüngere Mitglieder der Großfamilie haben dazu schon einen Festausschuß ins Leben gerufen. Ein Programmpunkt steht schon fest: Die Veranstaltung wird mit einer -auf plattdeutsch gehaltenen- Predigt beginnen. Sie wird der Neumünsteraner Probst a.D. halten: Dr. Karl Hauschildt.

VOLKER MEHMEL

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Stand: 26.11.2010